Mein Coming-out
Bitte melde dich!
(SN) Es wird endlich Zeit es zuzugeben. Das Outing ist längst überfällig. Ja, ich bin bekennender Analog-Leser! Ich liebe es, eine raschelnde Zeitung neben mir auf dem Frühstückstisch zu entfalten und mich in die Texte zu vertiefen. Besonders samstags ist es eine liebe Gewohnheit, bei einem ausgiebigen Frühstück mit frischen Brötchen, die Zeitung mit meinem Ehemann zu teilen und bis zur letzten Zeile zu genießen. Unser CO2-Abdruck ist seit Schließung des Bäckerladens ohnehin nicht günstig, zumindest an diesem einen Wochentag. Da kann auch die lokale Papier-Zeitung nicht so viel mehr Minuspunkte auf dem CO2-Konto beitragen. Immerhin ist sie vielfältig verwendbar: zum Abrufen der lokalen Informationen in Friedrichsdorf, Bad Homburg und sogar im Hintertaunus. Ein bisschen Klatsch und Tratsch. OK, den Überblick über das weltpolitische Geschehen holen wir uns woanders, doch die Taunus Zeitung aus dem FNP-Verlag kann durchaus themenvertiefend sein. Achso, ich war beim Thema der vielseitigen Verwendbarkeit. Ist doch klar, wenn sie ausgelesen ist, taugt sie immer noch zum Mülleimer auslegen. Manchmal ist sie auch anstrengend, und das, obwohl das Format ja zu Jahresbeginn in ein handlicheres geschrumpft wurde. Meine Arme sind beim Halten des anteiligen Buches (er liest Sport, ich erst das Lokale) doch irgendwann zu schwer. Das kleinere Format hat daran nichts verbessert. Macht nix, dann wird die nächste Brötchenhälfte geschmiert und schon gibt’s neue Kraft zum Weiterlesen.
Manchmal ist es auch ätzend, auch da oute ich mich gerne: Als das Zeitungsrohr undicht war und selbst bei leichtem Regen das Lokalblättchen durchnässt war! Ach, den Spaß die einzelnen Seiten dann auf allen Heizungen zu verteilen, um den Trockenvorgang zu beschleunigen, kennen all die E-Paper-Leser gar nicht. Dabei ist die Vorfreude auf den getrockneten Inhalt fast mit der Vorfreude auf entwickelte Fotofilme aus der Analogkamera zu vergleichen!
Der Kampf um die analoge Tageszeitung der Taunus Zeitung
Wir haben in den letzten drei Wochen gekämpft. Denn wir haben in Burgholzhausen den besten und verlässlichsten Zeitungsträger der Welt! Rolf! Wenn er da ist, ist die Zeitung morgens um 6 schon längst in der Röhre. Ob Regen, Schnee oder Mondschein. Auf ihn ist absolut Verlass! Schon sein Vater war super, er hat die Gene weitergegeben und den Burgholzhäusern die nächste Zeitungsträger-Generation gesichert. Doch was soll ich sagen. Wir wussten es schon seit dem Moment, als das Zeitungsrohr verwaist war: Rolf ist krank. Wir wünschen dir gute Besserung, Rolf!!! Werde ganz schnell wieder richtig gesund!
Und das kommt von Herzen! Wenn auch nicht ganz uneigennützig. Denn seitdem kämpfen wir mit dem Abonnentenservice. Tatsächlich haben wir in der letzten Woche auch an manchen Tagen die Zeitung erhalten. Irgendwann um die Mittagszeit, wo man als im Berufsleben verwurzelter Mensch wirklich keine Zeit mehr zur Lektüre des Lokalblättchens hat, oder erst abends. Nichts ist so alt, wie die Zeitung von gestern! Unzählige Telefonate und Mails waren erforderlich, bis wir tatsächlich einen temporären Online-Zugang zur sagenumwobenen E-Paper-Ausgabe erhielten. Die zusätzlich versprochene analoge Ausgabe blieb seit Montag komplett aus. Und die kostet nicht wenig.
E-Paper schön und gut. Ist ja nicht so, als wenn das digitale Zeitalter nicht auch bei uns angekommen ist. Mein Lesegefühl? Schnell fertig. Auf dem Phone zu klein, das Tablet ist anderweitig im Gebrauch und der PC ist schließlich zum Arbeiten da. Zum Mülleimerauslegen taugt so ein E-Paper auch nicht, auch wenn die FNP mit dem Slogan wirbt „Fast wie gedruckt“. Naja. Zum gemeinsamen Familienlesen am Frühstückstisch ist sie auch nicht zu gebrauchen. Das Lesegefühl stellt sich nicht ein. Den Redakteuren, die sich täglich ins Zeug legen, um aus Friedrichsdorf über interessante und unwichtige Dinge zu berichten, lasst Euch gesagt sein, halb Holzhausen ist derzeit außen vor! Ihr bemüht euch fast umsonst!
Dabei konnten wir uns ja noch glücklich schätzen mit der Nachmittagsausgabe des Blattes, denn andere – obwohl in der gleichen Straße ansässig – mussten seit 13 Tagen ganz auf das gebleichte Ungetüm mit den schwarzen Lettern komplett verzichten.
Mein Hilferuf! Bitte melde dich!
Mein Coming-out für eine Druckausgabe der Tageszeitung verbinde ich mit einem Hilferuf an alle Burgholzhäuser Rentner und Rentnerinnen, Hausmänner und Hausfrauen, Singles oder Ehepartner – gerne mit Schlafstörungen: Gibt es in Burgholzhausen jemanden, der gerne früh aufsteht und uns alle rechtzeitig am Morgen mit der Tageszeitung versorgen kann, wenn Rolf seinen wohl verdienten Urlaub genießt oder (selten) krankheitsbedingt ausfällt? Bitte melde dich!
#fnp #taunuszeitung #rolfgutebesserung